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Das einzige Trauma, das ich aus meiner Kindheit behalten abe, sind meine Haare. Bis
zu meinem 15. Lebensjahr mußte ich mir beim Dorffriseur (der hauptberuflich Postbote war)
die Haare scheren lassen. Von Frisur kann man dabei nicht sprechen, es wurde einfach bis
zu den Schläfen hinauf alles kurzgeschoren. Eigentlich war ich der erste Punk in Kulmain.
Ich werde deshalb wahrscheinlich in meinem Leben nie mehr kurze Haare tragen (höchtens
die Natur hilft nach und die Haare fallen aus). Im Prinzip bin ich als Einzelkind aufgewachsen. Ich habe zwar einen Bruder, aber Josef ist 7 Jahre älter und war nur in den Ferien zuhause, weil er Priester werden wollte und deshalb im Internat war. Zueinandergefunden haben wir erst später, als meine Mutter tot war. Jetzt sind wir wirklich Brüder, ich kann mich auf seinen Rat verlassen und wir haben ein wirklich gutes geschwisterliches Verhältnis. Ich habe von ihm viel über Web-Programmierung und PC-Kenntnisse gelernt. Seine eigene HOMEPAGE ist wirklich sehens- und lesenswert. Nach 6 Jahren Volksschule und Realschulabschluss nach weiteren 4 Jahren versuchte ich mich in der Laufbahn als Re- gierungs - Assistenten - Anwärter (das heisst wirklich so!) beim damaligen Landratsamt Kemnath, wo ich es aber nur 11 Monate aushielt, weil mir das Milieu und das Beamtenklima dort zuwider war. Meine Wunschlehre zum Buchhändler schei- terte ebenso (worüber ich im Nachhinein sehr froh bin), wie die Ausbildung zum Elektro-Mechaniker (wegen meiner Farben- blindheit). Die anschliessende Kompromiss-Lehre zum Elektro-Installateur in Bayreuth brach ich 3 Monate vor der Prüfung ab. Als ich 20 Jahre alt war, starb meine Mutter. Ich lebte dann mit meinem Vater 1 Jahr lang in einem reinen Männerhaushalt zusammen. Mein Vater war einer der besten Menschen, die ich kennenlernte. Nie hat er mich geschlagen oder beschimpft. Er war unwahrscheinlich duldsam und hat sich für seine Familie aufgeopfert. Er hat auch nie den frühen Tod seiner Frau verkraftet und starb 1980. In Bayreuth lernte ich bald eine Clique kennen, die anders war als unsere Dorfjugend, deren Denkweise mir mehr zusagte. Ich war schließlich noch in die 67er Zeit mit Rudi Dutschke aufgewachsen. Wir betrachteten uns als Outlaws, die sich nicht an die gängigen Regeln hielten, saßen stundenlang Lambrusco trinkend herum, hatten lange Haare und Amijacken und schliefen nachts in Parks oder Neubauten oder trampten durch die Gegend. Die Leute nannten uns nur Gammler. Regelmäßige Arbeit war natürlich auch verpönt. Ich jobbte mal 6 Tage in einer Weberei und 2 Monate als Staplerfahrer bei Rosenthal. Es war eine wilde, manchmal schmerzliche, aber immens schöne Zeit. Ich habe wahrscheinlich in den 2 Jahren mehr erlebt und durchgemacht, als viele in ihrem ganzen Leben. Hier in Bayreuth lernte ich auch meine Frau kennen, als in meine Stammkneipe ein 15jähriges langhaariges und langbei- niges Mädchen hereinschneite. .Ich fühlte bald, daß dies meine große Liebe war, und schrieb ihr jeden Tag einen Brief. Auch eine kurzzeitige Trennung konnte unserer Liebe nichts anhaben, wir fanden bald wieder zueinander. Im November 1971 begann ich eine Lehre als Krankenpfleger beim Nervenkrankenhaus Bayreuth, im Februar 1972 hei- ratete ich Sybille (die auch im selben Krankenhaus als Schwesternvorschülerin arbeitete) und im Juni des gleichen Jahres kam unser Sohn Michael zur Welt. Innerhalb eines Jahres änderte sich mein Leben: Frau, Kind, Arbeit, Verantwortung. Da ich bald merkte, dass mir die Arbeit mit psychisch Kranken lag, blieb ich im Bezirkskrankenhaus, absolvierte nach mei- ner Ausbildung später noch einen 2-jährigen Kurs zum "Fachpfleger für Psychiatrie" und schloss auch meinen Stationslei- terlehrgang erfolgreich ab. Ich bin jetzt über 30 Jahre in diesem Krankenhaus beschäftigt und habe noch immer kein "Burn out"-Syndrom. Mit meiner Ausbildung könnte ich auch in jedem somatischen Krankenhaus arbeiten, doch ich finde, dass die Arbeit mit psychich Erkrankten viel abwechslungsreicher ist, da der Kontakt zum Menschen viel intensiver und näher ist. Man freut sich auch mehr über Erfolge. Zu meiner FRAU: als sehr junges, unerfahrenes Hascherl hatte sie es als Stadtmensch auf dem Land mit den viel älteren Nachbarinnen nicht leicht. Sie mußte anfangs viel entbehren. Sie hat aber gekämpft, hat sich durchgesetzt und kann ihre Meinung vertreten und verfechten. Sie hat sich zu einer dominanten und respektierten Persönlichkeit entwickelt. Sie ist dabei aber warmherzig geblieben und kann sich in die Menschen hineinversetzen. Ich bin stolz auf sie und liebe sie. Zu meinem SOHN:
Michael hat den gleichen Dickkopf wie ich, er geht stur seinen Weg, ohne wegen möglichen
Konsequen- zen zu buckeln. Ich war mir lange unsicher, ob wir ihn richtig erzogen haben.
Viele hielten uns vor, daß wir ihn strenger er- ziehen müssten. Aber jetzt weiß ich,
daß wir doch nicht alles verkehrt gemacht haben können. Er ist zwar nicht einfach zu
nehmen, ein radikaler Nonkonformist, aber er ist ehrlich und geradlinig. Auch auf ihn bin
ich sehr stolz. Von 1977 bis 1981 arbeitete ich für das Rockmagazin "DAS DING" in Nürnberg. Das war eine herrliche Zeit. Zwar gab es kein Geld (sondern nur ein paar LP's und freien Eintritt zu Konzerten), aber ich konnte mein umfangreiches Wissen über Rockmusik loswerden und meine Lieblingsband anderen nahebringen. Außerdem macht es doch auch Spass, ungeliebte Bands zu zerreissen und dafür sogar ein Forum zu haben. Privat beschäftige ich mich neben
Da mir auch unsere Heimatgemeinde am Herzen liegt, arbeite ich bei den
Durch das Vorbild unseres Sohnes Michael wurde ich zum "fast-Veganer".
Zumindest an den Wochenenden gibt es bei uns fast nur noch vegane Kost. Ich esse zwar
weiterhin noch Tierprodukte, versuche mich dabei wenigstens stark
einzuschrän ken und habe ein
schlechtes Gewissen dabei. Die
Nach über 30 Jahren intensiven Rauchens (am Tag ca. 30 Zigaretten) habe ich am 03. November 2003 meine letzte Zigarette angezündet. Ich bin über diesen Schritt sehr froh und auch etwas stolz. Einziges Manko ist, das ich zwischenzeitlich fast 10 Kilo zugenommen habe. Aber das ist kein Grund, wieder mit dem Rauchen anzufangen. Ein Raucher wird zwar nie Nichtraucher, aber zumindest zum momentanen Ex-Raucher. Zum Abschluß noch ein Spruch aus der Rockmusik, der auf mich heute mehr
den je zutriftt: ich bin jetzt "Too old to rockn roll, too young to die", aber "Its only rockn roll, but I like it" |
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